Das Prinzip
Die Ebene, die ein Schnelltest nicht abbildet
Die sechs Analysen ergänzen die Point-of-Care-Diagnostik am Igloo-Reader um das, was dieser nicht zeigt: individuelle Veranlagung und Regulationsprozesse, die sich über die Zeit verändern.
Zwei Ebenen: Genetik und Epigenetik
Genetische Varianten beschreiben die unveränderliche Veranlagung. Epigenetische Marker zeigen den Regulationszustand: Botenmoleküle im Blut (microRNA) und chemische Markierungen an der DNA (DNA-Methylierung). Sie folgen dem Lebensstil und sind im Verlauf messbar. Eine genetische Analyse enthalten nur zwei der sechs Panels — Metabolic Health und die Plus-Variante von Healthy Sport; die übrigen vier kommen ohne genetische Analyse aus.
Probenmaterial: Trockenblutkarte
Wenige Tropfen Kapillarblut aus der Fingerbeere kommen auf eine Trockenblutkarte. Keine Venenpunktion, keine Zentrifuge, kein Kühlversand — Probenahme in der Praxis oder zu Hause.
Labor und Referenzdaten
Die Auswertung erfolgt bei unserem europäischen Kooperationspartner: über 15 Jahre Forschungsarbeit, über 60.000 validierte Referenzwerte, ISO 9001:2015. Die Referenzwerte sind der Maßstab, an dem ein Einzelwert eingeordnet wird — ohne sie wäre eine Zahl aus dem Labor nicht lesbar. ISO 9001:2015 ist ein Zertifikat für das Qualitätsmanagement des Labors, keine CE-Kennzeichnung und keine Aussage über die einzelne Analyse.
Wichtig für die Praxis
- Beratungswerkzeug, keine Diagnose — die Analysen ersetzen keine ärztliche Abklärung.
- Erstmessung und Folgemessung bilden ein planbares Programm; den Abstand legt die betreuende Einrichtung fest — bei Metabolic Health und Healthy Aging frühestens nach 4 bis 6 Monaten.
- Ein Probenweg, ein Kartentyp, ein Kooperationspartner für alle sechs Analysen.
Was in den Befunden gemessen wird
In den Befunden stehen Werte aus vier Ebenen. Wer den Unterschied kennt, sieht sofort, welche Zahl sich ändern kann und welche nicht — und trennt im Gespräch Veranlagung von Momentaufnahme. Kein Wert ist eine Diagnose.
Die Gene — der Bauplan
Die Gene sind der Bauplan des Körpers: Sie legen fest, wie er Fett verwertet und wie er Vitamin D transportiert. Kleine Abweichungen darin heißen Genvarianten oder SNPs — jeder Mensch trägt Tausende davon, weder gut noch schlecht. Genetische Analysen unterliegen in Deutschland dem Gendiagnostikgesetz — Aufklärung und schriftliche Einwilligung müssen vor der Probenahme vorliegen.
Der Bauplan ändert sich nie. Eine genetische Analyse wird einmal im Leben erhoben, eine zweite Messung ergäbe exakt dasselbe.
Die Methylierung — die Lautstärkeregler
Der Bauplan sagt noch nicht, was gerade gebaut wird. Dafür sitzen an der DNA chemische Markierungen, die einzelne Gene lauter oder leiser stellen; dieses System heißt Methylierung. Es reagiert auf Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress.
Diese Werte ändern sich. Sie zeigen nicht, welche Gene jemand hat, sondern wie aktiv sie gerade sind — deshalb eignen sie sich als Verlaufskontrolle.
Die microRNAs — die Boten im Blut
microRNAs sind winzige Moleküle, die im Blut zirkulieren und die Aktivität von Genen nachjustieren — Kurznachrichten, die der Körper laufend verschickt. Ihre Menge verändert sich schneller als die Methylierung, oft innerhalb von Wochen.
Ihr Name ist immer gleich aufgebaut: „miR“ plus eine Nummer. Die Nummer ist nur eine Katalognummer und sagt nichts über Wichtigkeit aus.
Die Telomere — die Schutzkappen
An den Enden der Chromosomen sitzen Schutzkappen, ähnlich den Plastikhülsen an Schnürsenkeln. Diese Telomere verhindern, dass bei jeder Zellteilung Erbinformation verloren geht — und werden mit jeder Teilung ein Stück kürzer.
Telomere lassen sich nicht gezielt verlängern. Beeinflussbar ist nur, wie schnell sie kürzer werden.
Und die Zahlen?
- Ampel 1–9
Die häufigste Darstellung. Links rot, rechts grün, höher ist immer besser: 1–3 rot, 4–6 gelb, 7–9 grün.
- Prozent
Der Wert im Vergleich zu einer Referenzgruppe. 100 % heißt: genau im erwarteten Bereich.
- Jahre
Ein berechnetes „biologisches Alter“ gegen das Kalenderalter — ein Rechenergebnis, keine Altersbestimmung.